• louisafunf




Kapitel 2


Today we're introducing you to Das Kapitel 2 (the chapter 2), a german community of young founders, providing the area around Würzburg not only with a second hand clothing shop, but also with a creative space in an old factory building. Courtyard festivals, workshops, public talks and concerts are also part of their non-pandemic manifesto. And there will be more.


Frontview and entrance (clothing racks will be put to the outside then the weather is sunny)





Insight into the shop



We had the opportunity to talk to Felicitas (co-owner together with Konrad) and Julia (intern) about their values, their products and their situation as a rather passion driven than profit oriented shop.



Hey Leute, schön, dass ihr Zeit habt! Fangen wir doch mal mit euch an: wer seid ihr und woher kennt ihr euch?


Also den Laden haben Konrad und ich im Juni 2020 aufgebaut und haben seitdem ein riesiges Team, die immer dabei sind. Also noch einen Mitarbeiter und Julia, unsere derzeitige Praktikantin. Aber auch sehr viele Menschen die einfach in ihrer Freizeit mit dabei sind.


Konnie (Konrad) kommt hier aus Würzburg und hat Abitur gemacht. Ich komme aus Ansbach, wo ich mich nach der Realschule erst als freiberufliche Fotografin selbstständig gemacht habe. Wir kennen uns von der MS Zufriedenheit und auch von Demos (Fridays for Future)



Da wird dann geholfen aufzubauen oder was macht das Team?


Wir haben von Zeit zu Zeit Hoffeste, dort ist dann jemand als Ansprechpartner da, oder Künstler*innen, die hier ausstellen, schön machen und Ideen für kreative Sachen spenden. Sonst eigentlich jeder überall mit dabei.



Ich habe letztens auf Instagram gesehen, dass ihr einen Musiker auf dem Hof hattet. Konntet ihr Pandemie-bedingt überhaupt viele Veranstaltungen durchführen?


Den Musiker kenne ich schon seit 2017, er ist bisher immer ein bisschen mit dabei gewesen. Die Pandemie war natürlich für den Veranstaltungsteil sehr schwierig. Das Kapitel war ja ursprünglich als Kombination aus 2nd Hand Laden und Veranstaltungsort gedacht und so ist die eine Hälfte komplett weggebrochen. Das ist insoweit sehr schade, weil der 2nd Hand dafür gedacht war, dass wir uns den Laden überhaupt leisten können, damit wir die kreativen Sachen machen können.



Der Laden war also dazu gedacht, Veranstaltungen zu finanzieren?


Für mich fühlt es sich schon so an (Lacht).



Du sprichst selbstverständlich vom „Kapitel“?


Hinter „Kapitel 2“ war die Idee, da Konrad und ich beide gerade mit der Schule fertig waren und damit ein neues Leben begonnen hat und natürlich auch für die Kleidung, die auch eine zweite Chance bekommt.



Was bedeutet es für euch, einen 2nd Hand Laden zu haben? Und woher kommt die Kleidung?


Also der 2nd Hand Teil war ursprünglich Konrads Idee und war zu 100% für Nachhaltigkeit gedacht, da wir selbst eigentlich nur 2nd Hand einkaufen. Wir planen zudem auch Veranstaltungen, um über den riesigen Kleidungskonsum zu informieren, alsowas das (für die Umwelt) bedeutet und wie viele Ressourcen man sparen kann. Eine Kombination aus nachhaltig kleiden und auch ernähren.


Woher die Kleidung kommt ist total unterschiedlich. Teilweise aus Großhandeln in Erfurt oder Brüssel. Dort dürfen wir hinfahren und aus riesigen Kleidercontainern aussuchen, was wir wollen und zahlen dann Kilopreise. Die Kleidung ist aber nicht wirklich sortiert, also schon in Hosen, Jacken, Röcke, aber nicht nach Marken oder anderem.




Inner view at local artist work



Also dann liegt NoName auf Marke und andersherum (lacht). Was wählt ihr denn dann für den Laden aus?


Tatsächlich geht es uns um die Qualität. Wir schauen gar nicht auf Marken. Ich persönlich kenne mich da überhaupt nicht aus, weswegen es ganz einfach ist, nicht darauf zu achten. Wir schauen also nach guter Haptik, Tragegefühl, Extravaganz, Qualität im Stoff und Verarbeitung, soweit von uns beurteilbar. Eigentlich nehmen wir das, was wir persönlich tragen würden. Man merkt bei (eher günstigen) Hosen ja, dass es sehr billig ist, schnell kaputt geht, und das wollen wir nicht.



Unterscheidet ihr bei der Auswahl zwischen Kunst- und Naturfaser?


Wir schauen einfach, was sich gut anfühlt und was noch nicht aus allen Nähten fällt. Das ist ja ein Problem der schnellebigen Mode, dass es so schnell kaputt geht. Im Großhandel gibts deswegen ja auch vorwiegend alte, gut erhaltene und langlebige Sachen. Auch Kunstfaser hat ein zweites Leben verdient. Wir bekommen auch sehr viel gespendet, darüber freuen wir uns immer riesig und nehmen das auch sehr gerne. Aber vor allem alte Mode und Vintage Kleidung.



Wenn du von alter Mode sprichst, habt ihr mal recherchiert von wann die Kleidungsstücke sind? Ist ja auch nicht immer so einfach...


Tatsächlich nicht. Wir wollen uns nicht als Vintage Laden labeln, denn da ist es ja so, dass die Teile zum Beispiel original aus den 70er sind und damit plötzlich teurer. Das wollen wir nicht. Dadurch, dass wir auch Spenden bekommen, wollen wir den Preis möglichst gering halten.



Was unterscheidet euch denn von anderen 2nd Hand Läden? Warum habe ich das Gefühl, dass es bei euch nicht um Lifestyle geht, sondern um ehrliches, preiswertes Recycling?


Unsere Philosophie ist schon durch den Nachhaltigkeitsaspekt geprägt. Ich glaube, dadurch dass wir eben nicht auf Marken gehen, oder dieses „original aus Berlin“ hochzuheben versuchen, sind wir da etwas anders. Dadurch, dass wir ja auch Spenden bekommen, können wir günstiger sein und wir schlagen keinen Profit aus dem Laden. Wir wollen den Laden erhalten und uns Veranstaltungen leisten können. Und im Endeffekt springt für uns nicht so viel raus.



Lebt ihr nicht vom Laden? Oder ist es eher Mission und Spielplatz


Ne. Es wäre schön, davon leben zu können und das können wir auch, wenn die Pandemie vorbei ist und wieder mehr los ist. Es war auch unser Ziel, davon Leben zu können, das ist mit unseren Preisen möglich.




Check-out



Mal zum einem größeren Thema: wie steht ihr denn zur globalen Modeindustrie? Stichwort „fast fashion“


Ich würde sagen, das ist so eine allgemeine Bewusstseinsfrage, die mich sehr stark im Menschen beschäftigt. Nicht nur auf Mode, sondern auch Ernährung, Umwelt und alles abzielt. Ich wünsche mir sehr von Herzen, dass Menschen bewusst mit sich und ihrem Umfeld umgehen und eben nicht nur auf sich selbst und ihre Bequemlichkeit schauen, sondern auch, wo andere Wesen drunter leiden, ob Tiere oder Menschen.



Hat ihr dann schon fast eine vegane Mission?


Absolut. Wir sind auch fast alle vegan, manche Vegetarier*innen.



Wenn ich dich kurz unterbrechen darf: mir ist vorhin schon aufgefallen, du genderst ganz selbstverständlich? War es schwer, sich das Sternchen anzueignen?


Ich gewöhne mich noch dran und bin noch lange nicht perfekt. Ich finde es sehr schön, weil alle Geschlechter darin mitinbegriffen sind und sich so keiner ausgegrenzt fühlt. Alle fühlen sich angesprochen und auch akzeptiert. Und das ist genau was ich meine: Um sich schauen. Rücksicht.


Und lustig, dass du fragst. Ich musste vorhin dran denken, dass ich jahrelang dachte, ich könne keinen Helm tragen. Das wäre zu anstrengend und ich müsste immer dran denken und würde es vergessen. Nach zwei Tagen mit Helm, war ich heute geschockt, als ich ihn nicht finden konnte und ohne hierher gefahren bin. Wie sehr er fehlt und wie gefährlich es sein kann.


Selbes mit Rücksicht und Bewusstsein. Mit Gewohnheiten geht es schnell. Man muss sich nur dran gewöhnen, dass man für andere etwas tun kann. Tut ja nicht weh.

Wir sind ja auch eine Gemeinschaft, und kochen und essen zusammen hier und damit gehört das auch zu uns. Vegan kochen ist ja super einfach.



Tragt ihr selbst auch neue Kleidung?


Wir haben Unterwäsche von einer Marke, die mit Menschen zusammen arbeitet, denen es auf dem Arbeitsmarkt schwer fällt, aber auch Flüchtlinge und Menschen aus Inklusionsprogrammen. Da kaufe ich meine Unterwäsche, aber auch mal so im Einzelhandel. Wir bekommen aber auch Unterwäsche gespendet, das nehmen wir auch super oft für uns, da wir das nicht verkaufen, beziehungsweise es eigentlich kaum einer kauft. Bei getragener Unterwäsche ist noch eine sehr große Unsicherheit. Konrad und mir ist das mittlerweile aber egal. Solange es hygienisch aussieht ist es okay. Julia hat sich bei Schuhen anfangs etwas schwer getan, aber so hat jeder seins.



Zum Abschluss vielleicht noch etwas zu eurer Gemeinschaft: Ihr habt im Kapitel noch ein Ton- und ein Tattoostudio?


Ursprünglich wollten wir ein Fotostudio, ich arbeite ja noch als Fotografin. Aber dann haben wir eine so große Ladenfäche gefunden und dachten uns, es wäre schöner, noch andere mit ins Boot zu holen. Das Tonstudio hat sich dann aus bekannten zusammengesetzt, die auch ein Label gegründet haben und Paloma, die Tattoowiererin, hat von uns gehört und kam zu uns und ist jetzt auch mit bei uns im Laden dabei. Mit Corona war jetzt nicht so viel, aber es gehören alle zum Team. Seit dieser Woche hat Paloma sogar wieder angefangen zu tattoowieren - also falls du möchtest.





Left to right: Julia (untern), Felicitas (co-owner), Konrad (co-owner)


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